Im Zielkonflikt zwischen Klima- und Naturschutz
Im Zielkonflikt zwischen der Wasserkraftanlage und dem einzigartigen Modellprojekt, den Neckar gewässerökologisch zu revitalisieren, entschied die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen sich bekanntlich für das Modellprojekt. Dafür musste sie schon damals gehörig Kritik einstecken. Doch bereits bei der ersten Präsentation dieses Vorhabens machte sie deutlich, wie schwer ihr diese Abwägung fiel. Ins Gewicht fiel, dass es in Konflikten zwischen Klima- und Artenschutz letztlich immer wieder um zwei Seiten einer Medaille geht: den Schutz des Naturhaushalts. Außerdem drosselt ein großzügigeres Flussbett des Neckars auch die zunehmenden Hochwasserrisiken durch den Klimawandel.
Zusage der ENRW
Doch ausschlaggebend war laut Pressemitteilung der Grünen dann letztlich die Zusage der ENRW, „dass sie bei einem Rückbau der Wasserkraftanlage die finanziellen Ablösezahlungen vollumfänglich in regenerative Energie investiert.“ Die ENRW weist dabei auf Maßnahmen am künftigen Standort in Neufra und mögliche Beteiligungen an anderen „Projekten der Energiewirtschaft“ hin.
Befreien von russischen fossilen Energien
Zu dieser Wiedergutmachung wünscht die Grünen-Fraktion sich in ihrer Anfrage eine Antwort, die gerade jetzt überzeugt. Im Ukrainekrieg sei vielen die Bedeutung heimischer erneuerbarer Energien bewusster geworden und sie drängen darauf, nun rasch und massiv weitere derartige Quellen zu erschließen. Denn neben ihrem Beitrag zum Klimaschutz machen sie uns ja auch unabhängiger von Energieimporten aus Russland. Rottweils Grüne finden Gefallen an der neuen Bewertung erneuerbarer Energien als „Freiheits- und Sicherheitsenergien“: „Wir können die Kritik daher gut nachvollziehen, die in dieser dramatischen Weltlage den Abbau einer Wasserkraftanlage für eine Fehlentscheidung hält,“ schreiben sie.
Der Nachweis einer Wiedergutmachung, die den Abbau der Wasserkraftanlage vollumfänglich durch Maßnahmen für erneuerbare Energien ausgleicht, ist für die Öko-Fraktion nun der springende Punkt. „Klar“, meint sie, „dabei darf es sich nicht um Sowieso-Maßnahmen handeln, sondern unbedingt um zusätzliche Erzeugungsanlagen.“ So ließe sich der Vorwurf etwas ausbremsen, die Stadt Rottweil baue ausgerechnet in diesen schweren Zeiten eine Kapazität zur Erzeugung erneuerbarer Energien ab.