Klimaschutz im Sanierungsgebiet Stadtmitte. Neue Wege gehen?


Die Satzung fürs „Sanierungsgebiet Stadtmitte. 1. Erweiterung“ ist beschlossen. Die vorbereitenden Untersuchungen deckten dort erhebliche energetische Mängel auf. Anlass für die Gemeinderatsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen zu fragen: Ist bei der energetischen Sanierung dieses Quartiers statt business as usual ein größerer Wurf möglich, der dem drängenden Problem Klimaschutz in besonderer Weise gerecht wird? Gemeinsam mit Eigentümern und Mietern? In einem Prüfantrag hofft die grüne Fraktion auf positive Antworten.

Die Bruderschaftsgasse im Sanierungsgebiet


Energetische Mängelliste

Die Untersuchungen offenbarten jedenfalls erheblichen Sanierungsbedarf bei rund zwei Drittel der Gebäude: Einfachverglasung, ungedämmte Dächer bzw. Dachgeschossdecken, fehlende Dämmung zum Keller hin, veraltete Heizungen. Ensemble- und Denkmalschutz schließen einige Maßnahmen aus wie Fassadendämmung oder Solaranlagen auf den Dächern.

Was tun?

Der energetische Standard von Passivhäusern ist dort also unerreichbar. Das Sanierungsgebiet bleibt eine Wärmeinsel. Die Grünen halten es in ihrem Antrag für möglich, dass dort ein gesamtplanerisches Vorgehen sinnvoller ist, als von Einzelfall zu Einzelfall vorzugehen. Lassen sich so womöglich Synergien erschließen? Vielleicht ergeben sich auch innovative Lösungen?

Ideal wäre ein BHKW-gestütztes Nahwärmenetz unter Einbeziehung des Einkaufszentrums und perspektivisch des möglichen Stadtmuseums. Schwachpunkt dabei: Im Sommer fehlt im Sanierungsgebiet wohl ein großer Wärmeverbraucher.

Vielleicht ist es daher realistischer, nachbarschaftlich kleinere Wärmeinseln miteinander zu verbinden und mit moderner Technik zu versorgen. So ließen sich Energieeffizienz, Wohnkomfort und Wert der Gebäude erhöhen. Contracting-Modelle könnten Eigentümern die hohen Anschaffungskosten ersparen und ihnen so eine energetische Sanierung schmackhaft machen.

Expertenrat

Dass es insbesondere unter langfristigen Gesichtspunkten lohnend ist, solche Fragen näher zu durchleuchten, bestätigten in einer Grobeinschätzung mehrere externe Fachleute, die im Bereich der Nahwärmeversorgung tätig sind.

Aber auch die STEG, die das städtebauliche Entwicklungskonzept für dieses Quartier vorgelegt hat, kommt zu dieser Diagnose: Gerade in der heutigen Zeit ist der Klimaschutz „eines der ganz wichtigen Handlungsfelder der Sanierung“. Und sie rät: „Bei der Modernisierung wird empfohlen, hohe energetische Maßstäbe anzusetzen.“

Auch das könnte nach unserer Ansicht für ein fundiertes Energiekonzept in diesem Sanierungsgebiet sprechen.