Grüne OV Rottweil-Zimmern

Kerstin Andreae (MdB) beim grünen Neujahrsempfang: "Wir wollen unser Land sozial und ökologisch modernisieren."


Da war ganz schön was los im Schwarzen Lamm, als sich beim Neujahrsempfang der GRÜNEN gleich zwei Bundestagskandidaten vorstellten. Die eine, die baden-württembergische Spitzenfrau Kerstin Andreae, hat’s bei einem passablen grünen Wahlergebnis bereits geschafft. Der andere, Hubert Nowack, muss, wie er verschmitzt anmerkte, erst noch Volker Kauder (CDU) das Direktmandat im Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen abjagen.

Kerstin Andreae und Hubert Nowack

Ein kurzweiliger Empfang war’s, der Geist wie Leib verwöhnte: mit knackigen politischen Ansprachen, frisch gezapftem Bier (natürlich auch Nichtalkoholischem!) und regionaler Kost. Alles liebevoll klassisch umrahmt vom Streicherduo Ute Bott mit Tochter Felicitas. Erstaunlich viele junge Gesichter im rappelvollen Raum. Kreissprecherin Sonja Rajsp blickte als Gastgeberin kurz aufs Jahr 2016 zurück, in dem sie sich als Kandidatin in den Landtagswahlkampf warf. Für sie war’s eine lehrreiche Zeit, in der sie kreativ wirbeln konnte. Obwohl am Landtagsmandat knapp gescheitert, bewahrte Rajsp ihren Optimismus und ist topfit für neue Taten.

Hubert Nowack präsentierte sich als stark in seiner Heimat verwurzelter Bundestagskandidat. Er zeigte geballte politische Leidenschaft für erneuerbare Energien, landwirtschaftliche Produkte aus der Region und umweltschonenden Verkehr. Konkreter: Talstadtumfahrung Schramberg, Ausbau des Ringzugs, Schnellbusse zwischen Rottweil und Balingen, attraktive Radnetze. Man kann nur staunen, wie dieser Mann sein politisches Engagement unter seinen Zimmermannshut bringt: grüner Fraktionssprecher im Rottweiler Gemeinderat und Kreistag und jetzt noch seine Bundestagskandidatur. Es beglückt ihn aber offensichtlich, wie grüne Ideen die Wirtschaft, etwa bei ökologischen Baumaterialien oder energetischer Sanierung, immer mehr durchdringen. „Vor 40 Jahren war vieles noch unvorstellbar“, blickte Nowack staunend zurück. Er kennt die Leute und weiß, dass Fortschritte oft nur über Kompromisse gelingen.

Schwungvoll packte dann Kerstin Andreae die „großen“ politischen Themen an. Dem Rechtspopulismus galt ihre klare Ansage: „Deutschland steht für ein offenes demokratisches Europa.“ Und mit Blick auf die USA hoffte sie: „Trump ist nicht Amerika.“ Vorhandene Ängste in unserer Gesellschaft müssen sehr ernst genommen werden - man darf sie aber nicht schüren wie die AfD. Ein Unding ist es, dass Kinder bei uns ein Armutsrisiko sind. Als Gutverdienerin sah Andreae sich mit ihren drei Kindern besser gefördert als etwa eine Hartz-IV-Empfängerin. Ziemlich verrückt! Weitere Forderung: bezahlbarer Wohnraum! Andreae möchte dazu Brücken zwischen Land und Stadt bauen - etwa über bessere Mobilitätsangebote. Untragbar war für sie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Auch hier stehen dringend Korrekturen an.

Zur Flüchtlingsfrage sagte Andreae: „Probleme müssen klar benannt werden. Es kommen nicht nur nette Menschen.“ Dazu sind effiziente Strukturen beim europäischen Datenaustausch nötig. In datenschutzrechtlichen Fragen räumte sie selbstkritisch ihre Lernkurve ein. Ihr ging es aber auch um die Bekämpfung von Fluchtursachen. Viel zu wenig beachtet ist da der Klimawandel, der Menschen durch steigende Meeresspiegel oder die Ausbreitung von Wüsten zur Flucht treibt.

Überhaupt die Ökologie! Laut Andreae taucht dieses Thema bei anderen Parteien nicht auf. Im Wahlkampf werben die GRÜNEN daher entschieden für Nachhaltigkeit und die ökologische und soziale Modernisierung. Andreae will da nicht kleckern, sondern klotzen: „Deutschland braucht nicht nur eine Million Elektroautos, sondern 30 Millionen!“ Andere Länder eilen da voraus. Der Verbrennungsmotor steht vor dem Aus. Der Schutz der Lebensgrundlagen ist im Wahlkampf grünes Herzensanliegen. Dazu muss man die Welt als Ganzes begreifen, betonte Andreae: „Wir haben keinen zweiten Planeten.“

Nach dem Programm viele weitere Gespräche in kleinen Runden. Ein gelungener Abend. Sahnehäubchen für die Veranstalter: zwei frisch gebackene Mitglieder bei den GRÜNEN.