Grüne OV Rottweil-Zimmern

Erster Rottweiler Zukunftsmarkt mit "Schönauer Rebellengeist und Lebenslust"


Prominente Eröffnungsrednerin des Ersten Rottweiler Zukunftsmarkts ist Ursula Sladek. Frank Sucker konnte sich im Vorfeld mit ihr unterhalten. Hier das Interview:

Ursula Sladek und der amerikanische Präsident Barack Obama


Vor dreißig Jahren war der Gedanke abwegig, Sie würden einmal von Schönau ins Weiße Haus reisen, um vom amerikanischen Präsidenten Obama einen bedeutenden Umweltpreis zu bekommen. Was hat Sie von einer Lehrerin zur „Energierebellin“ werden lassen?

Das war Tschernobyl und die traurige Erkenntnis, dass weder die Politik noch die Energieversorger daraus Konsequenzen ziehen würden. Da war uns klar, dass wir selbst handeln müssen. Die Bezeichnung Stromrebellen wurde uns – ich sage mal liebevoll – von den Medien verliehen. Die Übernahme des Stromnetzes und der Stromversorgung in Schönau war nur mit diesem „rebellischen Geist“ möglich, sieben Jahre Kampf und zwei Bürgerentscheide hat es gebraucht, bis die Schönauer Bürger sich gegen die Übermacht des großen Energieversorgers und die lokalen Widerstände durchsetzen konnten. Auch die Belegung unserer evangelischen Kirche in Schönau 1998 mit einer großen PV – Anlage, den „Schönauer Schöpfungsfenstern“war nur mit einer „Solarrevolution“ möglich. Heute kämpfen wir für das in der Verfassung verbriefte Rechte der Kommunen, die Energieversorgung in eigener Regie zu betreiben, was durch das kartellrechtliche Regime konsequent verhindert wird.

Was bedeuten Ihnen solche Auszeichnungen, zu denen auch der Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg oder der Deutsche Umweltpreis gehören? Manchen würde das ja ganz gehörig in den Kopf steigen.

Natürlich freue ich mich über die Auszeichnungen, die ja eigentlich eine Auszeichnung für alle diejenigen ist, die zusammen mit uns – meinem Mann und mir – hier in Schönau für die Energiewende engagiert sind. Unsere Arbeit profitiert von den Auszeichnungen, die die EWS Schönau bekannter gemacht und zu einem Image-Gewinn geführt haben. Es ist schon toll, dass „Stromrebellen“ solche Anerkennung erhalten, eigentlich sind das Auszeichnungen für alle Atomkraftgegner und Klimaschützer! 

Erstaunlich, dass das kleine Schönau bei der Energiewende über die deutschen Grenzen hinaus so beachtet wird. Zufall? Oder hat gerade die „Provinz“ bei der Energiewende besondere Chancen?

Ich glaube nicht, dass es Zufall ist. Es gibt meiner Meinung nach zwei Hauptgründe,  dass Schönau solche Beachtung findet. Der erste ist in der Entstehungsgeschichte der Elektrizitätswerke Schönau zu finden. Die Bürgerinitiative, der kleine David, der dem Energieversorger das Stromnetz gegen alle Widerstände abgerungen hat und die Bürger von Schönau überzeugen konnte, in zwei Bürgerentscheiden für die bürgerschaftliche Stromversorgung zu stimmen. Das ist eine unglaubliche Geschichte, die vielen den Mut gibt, schwierige Dinge anzupacken, im Vertrauen darauf, dass diese gelingen! Der zweite Grund hat mit der Energiewende an sich zu tun. Die Erneuerbaren Energien sind von ihrer Natur aus dezentrale Energien und erfordern daher auch dezentrale Strukturen. Anders als Großkraftwerke, die an einigen wenigen Standorten gebaut wurden, sind die Erneuerbaren Energien – Wind- und Wasserkraftwerke, Solarenergie und Biomasse - über ganz Deutschland verteilt, also auch in der Provinz, wo es häufig bessere Standorte gibt als im städtischen Raum. 

Auf unserem Rottweiler Zukunftsmarkt ist neben der Wirtschaft ganz bewusst auch viel bürgerschaftliches Engagement zu sehen. Dürfen wir die Zukunftsgestaltung der Politik allein überlassen?

Ein ganz klares „Nein“ als Antwort. In den neunziger Jahren hat die Politik zusammen mit den Energieversorgern große Plakatkampagnen gemacht, auf denen zu lesen war, dass die Erneuerbaren Energien niemals mehr als 4 % zur Stromversorgung beitragen könnten. Inzwischen haben wir mehr als 30 % Erneuerbare Energien, die weit mehr als die Hälfte durch bürgerschaft-liches Engagement entstanden sind. Und was macht die Politik aktuell? Sie bremst die erfolgreiche Arbeit der Bürger mit Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen aus, verlangsamt die Energiewende und das, obwohl die Klimaforscher uns eindringlich auffordern, die Energiewende nicht zu bremsen, sondern im Gegenteil -  angesichts der globalen Bedrohung durch die Klimaerwärmung -   zu beschleunigen. Wir Bürger müssen uns ein-mischen, müssen versuchen, die Politik in die richtige Richtung zu drängen und die Energiewende so schnell wie möglich voranzutreiben. 

Manchmal gelten „Ökos“ als asketische Spaßbremsen. Sie strahlen beim Energiewenden viel Lebenslust aus. Wie denken Sie über die Spannung zwischen ökologischer Genügsamkeit und Genussfreude?

Ich glaube, dass Lebenslust und Lebensfreude die Voraussetzung sind für erfolgreiches Handeln - und das ist ja unser Ziel: erfolgreich zu sein bei der Umsetzung der Energiewende. Natürlich macht nicht alles immer Spaß und unser Tun ist auch mit ganz viel Arbeit verbunden, aber es gibt viele Anlässe sich zu freuen: Wenn wir eine neue Stromkonzession erringen, wenn wir die Genehmigung für einen Windpark bekommen, wenn wir eine neue Solar-anlage bauen, wenn wir mit einem Kooperationspartner ein neues Modell der Stromversorgung realisieren. Und bei all unserer Arbeit darf das Lachen nicht zu kurz kommen. Daher hatten wir früher eine eigene Kabarettgruppe, die für gute Laune gesorgt hat, und heute sind wir der einzige Energieversorger mit angeschlossener Kabarettbühne: Fast alle große Kabarettisten waren schon bei uns in Schönau.

Welche vier Tipps liegen Ihnen am Herzen, wie Bürgerinnen und Bürger in ihrem Alltag ganz einfach auf enkeltauglichen Zukunftskurs gehen können?

Ein wie Sie sagen “enkeltauglicher Zukunftskurs” hat mit allen Bereichen unseres Lebens zu tun, nicht nur mit der Energieversorgung, sondern auch mit Mobilität, mit Ernährung, mit der Wärmeversorgung usw. Wir müssen also unseren Lebensstil auf den Prüfstand stellen und schauen, was mit dem Anspruch “Enkeltauglichkeit” vereinbar ist. Aus der Übernahme von Verantwortung für kommende Generationen resultieren positive Gestaltungsmöglichkeiten unserer Gesellschaft – ich halte das für einen Zuwachs an Lebensqualität.

Und hier ganz kurz meine vier Tipps: weniger Strom und Wärme verbrauchen durch intelligente Nutzung, umweltfreundliche und friedensfördernde Geldanlagen und Geldinstitute zur Zusammenarbeit wählen, weniger Fliegen, denn Fliegen ist die klimaschädlichste Art sich fortzubewegen, sich politisch engagieren, denn wir können die Zukunft der Welt nicht nur der Politik und Wirtschaft überlassen.

Machen Sie uns zum Schluss etwas Appetit auf den Inhalt Ihrer Rede bei der Eröffnung des Rottweiler Zukunftsmarktes am 17. April, ohne schon zu viel zu verraten.

 

Ich hoffe, dass es mir gelingen wird, Ihnen Schönauer Rebellengeist und Lebenslust zu vermitteln! 

 

Nähere Infos zum Ersten Rottweiler Zukunftsmarkt: http://www.agenda-rw.de/erster-rottweiler-zukunftsmarkt.html