Passt doch zur Landesgartenschau 2028: ein pestizidfreies Rottweil

 


Grünen-Stadtrat Hubert Nowack musste lange bohren, bis die Stadt Rottweil mit dem Einsatz von Glyphosat Schluss machte. In ihrer letzten Sitzung gingen Rottweils Grüne das Thema Pestizide noch grundsätzlicher an: Sie beantragen nun, dass auch Rottweil sich in die wachsende Liste der „Pestizidfreien Kommunen“ einordnet. Das Timing stimmt: Am Mittwoch, den 19. Dezember läuft im Agenda-Kino der Film „Das Wunder von Mals“. Er zeigt, wie die Einwohner dieses Orts sich in einem Bürgerentscheid zur pestizidfreien Gemeinde erklärten und stattdessen auf ökologischen Landbau setzen. Eine Haltung mit Signalwirkung - weit über diesen südtiroler Flecken hinaus.

Blumeninsel auf dem Salinekreisel


Dem Vorsorgeprinzip folgen

Die Grünen fordern in ihrem Antrag, dass die Stadt dem Vorsorgeprinzip folgt und schrittweise auf allen kommunalen Flächen auf chemisch-synthetischen Pestizide verzichtet. Auch mögliche private Dienstleistungsunternehmen sollen sich bei Pflegemaßnahmen daran halten. Beim Verpachten kommunaler Flächen für eine landwirtschaftliche oder gärtnerische Nutzung gehört ein Verbot des Einsatzes von Pestiziden in den Pachtvertrag. Was bereits schon erlebbar ist, ist auszuweiten: bienen- und insektenfreundliche Blühflächen. Und bei alldem sind Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen und zu gewinnen, indem sie über die Bedeutung der Artenvielfalt informiert werden.

Risiken von Pestiziden

Die Ökopartei begründet ihren Antrag so, dass es neben Glyphosat viele andere Pestizide gibt. Diese Gifte können auch in Menschen gelangen. Ein Verzicht ist sinnvoll, da die chemischen Wechselwirkungen dieser Wirkstoffkombinationen bislang kaum untersucht sind. Doch auch für viele Tier- und Pflanzenarten sind Pestizide verhängnisvoll: Man beseitigt eben nicht nur unerwünschte Wildkräuter und Insekten, sondern etwa auch Honigbienen, Wildbienen, Schmetterlinge. Dabei sind Blüten besuchende Insekten unentbehrlich für die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen.

Die Grünen beklagen den weltweit zunehmenden Verlust von Arten. Ein Grund dafür ist die intensive Landwirtschaft mit dominierenden Monokulturen, die intensiv mit Pestiziden gespritzt werden. Tendenz steigend. Hecken oder Blühflächen fehlen als Rückzugsgebiete und Nahrung für viele Insekten, Vögel und Säugetiere. Umso wichtiger werden ausgerechnet Siedlungsgebiete als letzte Rückzugsorte für bedrohte Arten. Und hier können Kommunen Verantwortung für den Artenschutz übernehmen, indem sie bei der Flächenpflege auf Pestizide verzichten.

Und die Alternativen?

Gibt es dazu Alternativen? Die Grünen meinen ja: Mehrjährige Stauden schaffen für Insekten ein reiches Blütenangebot. Und giftfreie Alternativen zum Pestizideinsatz sind vielfältige mechanische und thermische Verfahren. Zugegeben, diese sind arbeitsintensiver.

Abschließend betonen die Grünen die Bedeutung der Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern: „Es braucht eine Akzeptanz für ein verändertes Erscheinungsbild kommunaler Grünflächen, das manchen auf den ersten Blick vielleicht nicht mehr ganz so clean und proper vorkommt.“ Dafür summt, flattert und krabbelt es wieder mehr.

 

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