Denkmalschutz schützt auch Klima und Ressourcen


Es gab allerhand zu staunen am Grünen Stammtisch in der Holzmanufaktur Rottweil, die jüngst ihr 30-jähriges Jubiläum feierte. Die Besucher konnten die Pioniertat dieser Firma nachvollziehen, sich unten im Neckartal anzusiedeln und das daniederliegende Industrieareal wieder zu beleben. Auch wurde einem die ökologische Bedeutung des nachwachsende Baustoffs Holz wieder bewusster. Und der Denkmalschutz gewann noch mehr Ansehen: Er kann Ressourcen schonen und einer klimafreundlichen Zukunft dienen.

Ein Teil der grünen Stammtischrunde


 

Historischer Streifzug

Doch zunächst wurde die Runde von Geschäftsführer Günther Seitz auf dem „Dorfplatz“ vor der Jakobskirche zu einem historischen Streifzug eingeladen. Seitz schilderte die Blütezeit dieses Industriegebiets unter Max Duttenhofer und den Niedergang in den frühen 90er Jahren. Unter Mithilfe der Rhodia AG übernahm die Holzmanufaktur dann verfallende Hallen, sanierte sie und führte sie einer neuen Nutzung zu.

Baudenkmale nutzbar machen

Mit dem Eintreten ins Verwaltungsgebäude erfuhr man sinnlich, wie modernes Sanieren geht: respektvoll gegenüber dem Baudenkmal, aber auch mit behutsamen, qualitätsbewussten Eingriffen. Viele Werkstücke zeigten viel Liebe für Details. Und dieses Können führte, wie Seitz in seiner Präsentation zeigte, zu reizvollen Aufträgen etwa am Schloss Neuschwanstein, dem Stuttgarter Neuen Schloss oder sogar in Griechenland. Diverse Auszeichnungen lobten diese Handwerkskunst.

Denkmalschutz und Schaffen von Wohnraum

In der Diskussion klagte Ira Hugger als Bewohnerin der geschützten historischen Innenstadt: „Wir haben ein hohes Dach. Mit dem kann man aber nichts machen, weil kein Licht rein darf.“ Dabei fehlt so dringend Wohnraum. Hubert Nowack zeigte Verständnis dafür. Immer wieder stehe man vor dieser schwierigen Abwägung zwischen Denkmalschutz und der Umnutzung alter Lagerräume fürs Wohnen. Schwierig sei auch, Obergeschosse zu erschließen. Ingeborg Gekle-Maier drängte in diesem Zielkonflikt auf vernünftige Kompromisse.

Denkmalschutz und Klimaschutz

Angesprochen, was sich in der Innenstadt für den Klimaschutz machen lässt, wurde Seitz leidenschaftlich: „Bloß nichts rausreißen! Reparieren!“ Der niedrige Preis für fossile Energien macht leider Kunststofffenster gegenüber dem klimafreundlichen Holz günstiger. Er zeigte auch dünne Hightech-Vakuumscheiben, die sich für den Denkmalschutz eignen und enorm Energie sparen. In puncto Dämmung meinte Nowack: „Vor allem gehört ein wärmender Deckel auf die Gebäude.“

Der junge Testturm schon ein Denkmal?

In der lebhaften Schlussrunde ging es um den kühnen Denkanstoß der Holzmanufaktur, den Testturm unter Schutz zu stellen. Die Denkmalpflege könne sich so „ein Stück weit neu erfinden“. Doch kann ein zeitgenössisches Bauwerk schon Denkmal sein? Auch Frank Sucker hielt diese Idee nicht für abwegig. Der Denkmalschutz verlangt rechtlich keine Alterswürde, sondern wissenschaftliche, künstlerische oder heimatgeschichtliche Gründe. Die Stammtischrunde mochte diese Frage aber nicht übers Knie brechen, sondern zuvor die Denkmalbehörde kontaktieren. Zu klären wäre: Welche Bedeutung und welche Konsequenzen hätte eine Unterschutzstellung - für den Testturm, für die Stadt, fürs Land?

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